Tempo-Mythen in der Schweiz: So vermeidest du teure Fehler beim Autofahren

Tempo-Mythen – so vermeidest du teure Fehler

Das Foto einer Radarüberwachung erinnert uns schmerzhaft daran: Zu schnelles Fahren kann Bussgelder oder sogar den Führerausweisentzug zur Folge haben. Rund um Tempolimits kursieren viele Irrtümer, die zahlreiche Autofahrende in Schwierigkeiten bringen. Doch welche dieser Mythen stimmen wirklich? Wir zeigen dir die tückischsten Tempo-Mythen und wie du teure Fehler vermeiden kannst.

Mythos 1: „Der Tacho zeigt sowieso zu viel an – ich darf schneller fahren“

Viele gehen davon aus, dass die Tachonadel immer über der tatsächlichen Geschwindigkeit liegt und man dadurch eigentlich langsamer fährt als angezeigt. Tatsächlich schreibt die Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS) vor, dass die angezeigte Geschwindigkeit nie niedriger sein darf als die tatsächliche Geschwindigkeit. Im Durchschnitt zeigt der Tacho etwa fünf Prozent zu viel an, je nach Modell kann die Abweichung variieren.

Wichtig: Auch wenn du denkst, „noch im Rahmen“ zu sein, gilt bei schlechter Witterung wie Regen oder Nebel grundsätzlich eine angepasste Geschwindigkeit laut Strassenverkehrsgesetz (SVG). Ein voreiliger Vertrauensglaube kann teuer werden.

Mythos 2: „Im Notfall darf ich Gas geben“

Dieser Mythos ist nur bedingt richtig. Es gibt gewisse Ausnahmen, z.B. wenn eine Geburt unmittelbar bevorsteht und Komplikationen drohen. Nur bei einer akuten, unabwendbaren Gefahr zeigt das Gesetz Toleranz. Schmerzen durch einen gebrochenen Arm oder andere nicht lebensbedrohliche Verletzungen rechtfertigen kein schnelles Fahren. Wer hier rast, riskiert eine Busse.

Beispiel: Das schnelle Fahren einer werdenden Mutter ins Spital bei einer Komplikation ist rechtlich in der Regel unproblematisch – dennoch gilt stets Vorsicht und angepasstes Tempo, um das Risiko für alle Verkehrsteilnehmer zu minimieren.

Mythos 3: „Direkt nach der 30er- oder 50er-Tafel gibt es keine Radarfallen“

Viele Autofahrer glauben an eine „Ausrollzone“ nach Geschwindigkeitsbeschränkungen – das ist falsch. Die angezeigte Höchstgeschwindigkeit gilt ab dem Schild sofort. Wer zu spät abbremst, riskiert einen Strafzettel. Hier die Bussgelder innerorts übersichtlich:

  • 1–5 km/h zu schnell: 40 Franken
  • 6–10 km/h zu schnell: 120 Franken
  • 11–15 km/h zu schnell: 250 Franken
  • 16–20 km/h zu schnell: Anzeige + Verwarnung
  • ab 21 km/h zu schnell: Führerausweisentzug

Mythos 4: „Radarwarner schützen mich vor Bussen“

Radarwarner sind in der Schweiz seit 2013 verboten. Das Strassenverkehrsgesetz (Art. 98a) verbietet ausdrücklich das Mitführen und Verwenden solcher Geräte. Werden sie entdeckt, drohen Bussgelder, im schlimmsten Fall sogar Geldstrafen. Als Autofahrende solltest du dich auf dein Können und die Einhaltung der Verkehrsregeln konzentrieren – und nicht auf illegale Hilfsmittel.

Mythos 5: „Auf der Autobahn sind immer 120 km/h erlaubt“

Obwohl 120 km/h als Richtgeschwindigkeit bekannt sind, gilt in der Schweiz stets der Grundsatz, dass man jederzeit innerhalb der Sichtweite anhalten können muss. Das bedeutet: Bei schlechten Sichtverhältnissen oder Nachtfahrten ist 120 km/h möglicherweise zu schnell. Ein Bundesgerichtsentscheid von 1967 verdeutlicht dies eindrücklich: Der Fahrer verlor die Kontrolle, weil er nicht rechtzeitig bremsen konnte.

Mythos 6: „Jede Geschwindigkeitsbusse landet im Strafregister“

Das stimmt nicht ganz. Bussgelder bei mittelschweren Tempoverstössen führen nicht automatisch zu einem Eintrag im Strafregister. Solche Einträge erfolgen nur bei schwerwiegenden Straftaten, etwa Fahren unter Alkoholeinfluss (ab 0,8 Promille) oder sogenannten Raserdelikten. Diese liegen vor bei:

  • ab 40 km/h Überschreitung in der 30er-Zone
  • ab 50 km/h Überschreitung innerorts
  • ab 60 km/h Überschreitung ausserorts
  • ab 80 km/h Überschreitung auf Autobahnen

Fazit: Tempo-Mythen können teuer werden – setze lieber auf Wissen und Vorsicht

Viele Tempo-Mythen beruhen auf falschen Annahmen, die in der Schweiz zu unangenehmen Konsequenzen führen können: hohe Bussen, Führerausweisentzug oder sogar Einträge im Strafregister. Die beste Strategie ist, stets vorsichtig und informiert zu fahren, Tempolimits bei jeder Witterung zu respektieren und nur in wirklich akuten Notfällen zu schnell zu fahren.

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